Wie praktisch… WeChat

Eine Milliarde Chinesen regeln mit dem Dienst Wechat ihr Leben. Die Regierung hat auf die Daten vollen Zugriff. Deutschland wird zum neuen Testlabor. Aus einem Bericht in der FAZ: Das Smartphone-Programm, einst als China-Kopie des amerikanischen Messengers Whatsapp gestartet, erledigt im Alltag der Chinesen heutzutage fast alles: Nachrichten verschicken, Telefonieren mit und ohne Videobild, Kinokarten, Zugtickets und Reisen buchen, ein Taxi bestellen, Arzttermine vereinbaren und jede Art von Rechnung bezahlen sowie Geld von einem Nutzer an den anderen überweisen – innerhalb von Millisekunden.
Seit November können Kunden auch in den Läden im Münchener Flughafen mit Wechat bezahlen. Noch sind vor allem chinesische Touristen die Zielgruppe, doch der Konzern will in neue Weltmärkte vorstoßen. „Weil die deutsche Finanzaufsicht sehr streng ist, haben wir vor dem Markteintritt eine Menge recherchiert“, sagt die für das globale Wechat-Bezahlsystem zuständige Tencent-Managerin Yin Jie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Der Konzern hat Deutschland zum Testlabor für die Frage gemacht, ob westliche Kunden bereit sind, ihre Daten Unternehmen eines autoritären Staates anzuvertrauen, der seine eigenen Bürger immer stärker überwacht. Dass Peking das im Leben der Chinesen allgegenwärtige Wechat als perfektes Überwachungswerkzeug dient, für diese Erkenntnis braucht es noch nicht einmal Organisationen wie Amnesty International, in deren Datenschutz-Test die App 0 von 100 möglichen Punkten erhielt. Es braucht auch nicht chinesische Topmanager wie den Vorstandschef des Autobauers Geely, Li Shufu, der vor zwei Wochen öffentlich kritisierte, Tencent lese „jeden Tag all unsere Nachrichten“. Es reicht ein Blick in Wechats Nutzungsbedingungen: Dort müssen die Nutzer seit September zustimmen, dass Tencent ihre Daten „aufbewahrt, preisgibt und heranzieht“, nicht nur wenn die Staatsanwaltschaft bei Ermittlungen gegen kriminelle Machenschaften dies verlangt. Stattdessen rückt Tencent nach eigener Auskunft die Daten bereits im Fall der „Anfrage einer Regierungsbehörde“ heraus.
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