Das Leiden anderer

Susan Sontag fragt »Was löst der Anblick eines leidenen Menschen im Betrachter aus?« Die Frage nach der persönlichen Reaktion, der eigenen Verfasstheit ist eine grundlegende – und die Schlussfolgerung daraus.

Ist es geboten, so genau auf einen Toten zu sehen – oder liegt ein Skandal darin, dass es solche Fotos gibt? Und wenn es sie gibt, dürfen sie in die Öffentlichkeit gelangen? Müssen sie das? Kann man verhindern, dass Menschen solche Anblicke genießen – oder sollten sie das tun, triumphieren über den Tod der Schurken, wie es der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten von Amerika wünscht? Böse Fragen stehen im Raum. Ein heikles Manöver, solche Veröffentlichungen. Deshalb greift man mit Eile nach einem Buch, das gerade auf Deutsch erschienen ist: Das Leiden anderer betrachten, ein Essay der amerikanischen Schriftstellerin Susan Sontag, der – offensichtlich verfasst unter dem Eindruck der Katastrophe des 11. September und der sich anschließenden Feldzüge Amerikas – vornehmlich der Kriegsfotografie gewidmet ist. (DIE ZEIT, Susanne Mayer, 7. Aug. 2003)