Ausstellung

Geheime Agenten
Eine Ausstellung mit Arbeiten von
Andrew Hammerand,
Arwed Messmer,
Peter Piller und
Józef Robakowski.

Kuratiert von Sabine Maria Schmidt, Katja Stuke und Oliver Sieber.

Programm:
Freitag, 13. März 2020, 18 Uhr: Eröffnung
Samstag, 14. März 2020, 17 Uhr: Kuratorenführung
Sonntag, 15. März 2020, 12 Uhr: Lecture Performance


Künstlerverein Malkasten
Jacobistraße 6a
40211 Düsseldorf

Öffnungszeiten
Samstag, 14. 3. 2020, 12 – 18 Uhr
Sonntag, 15. 3. 2020, 12 – 16 Uhr

Die Ausstellung konnte verlängert werden und kann bis zum 29.5.2020 dienstags und donnerstags nach telefonischer Absprache unter 0211–356471 besucht werden.
*Es gelten die zur Zeit gültigen Corona Hygiene und Abstandsregelungen des Landes NRW.
Am Di. 26.5. wird es eine Kuratorenführungen durch die Ausstellung geben.



(@Foto 1 – 10: Achim Kukulies für den Künstlerverein Malkasten)



Näheres zu ausgestellten Arbeiten und den Künstlern/
Further information about works and artists of the exhibition:

Andrew Hammerand: The New Town

Über 245 Millionen Überwachungskameras waren um 2014 weltweit installiert. Es sind automatisierte „geheime Agenten“, die tägliches Leben beobachten und häufig sehr einfach zugänglich sind. Andrew Hammerand gelang es, sich Zugang zu einer Überwachungskamera zu verschaffen und erstaunliche Bilder aus einer typischen amerikanischen Kleinstadt aufzuzeichnen. Die Kamera konnte gezoomt und um 360 Grad gedreht werden. Hammerands Streetphotography ohne Fotografen wirft zahlreiche Fragen auf: noch scheinen die Bilder unperfekt und doch scheint die Kamera zugleich allgegenwärtig und alle öffentlichen und bisweilen gar intimen Lebensbereiche zu durchdringen: eine Mutter mit Kind, Jugendliche, die auf dem Rasen spielen, Autobesitzer vor ihren Garagen und einfache Passanten. Der Fotograf hat die Kleinstadt nie persönlich besucht und gibt auch nicht ihren Namen preis. Die Grenzen zwischen Beobachtung und voyeuristischer Teilnahme sind schon lange durchlässig geworden. Das Verhältnis zwischen Beobachter und Beobachtetem im fotografischen Akt, der ursprünglich mit der Anwesenheit des Fotografen verknüpft war, ist gänzlich unsymmetrisch geworden.

Roughly 20 percent of the 245 million surveillance cameras in the world are network cameras that transmit live, often unsecure, feeds online. Anyone with a little skill can access them. Andrew Hammerand did just that, turning a midwestern town’s eye in the sky against it for The New Town.
Through a simple Google search, Hammerand found a control panel for an unsecure network camera. The device was perched on a cell tower in an unidentified town, and he commandeered it to make photos of the people going about their lives. It’s a bit like the The Truman Show, with the stars of the show blissfully unaware they have an audience.
The first time Hammerand tuned in, he spied a mother and daughter walking down a street. Because the camera’s lens could zoom and rotate 360 degrees, he could follow them—an addictive level of control that kept him coming back. The photographer sometimes spent hours taking screenshots of the townspeople, who began to seem like characters in a fictional world of his creation. „It was equivalent to watching a year-long, daily episodic television show without dialogue,“ he says.
The photos depict a suburban landscape of tidy homes in neat rows, with pristine sidewalks and manicured lawns. It is the American dream writ large. But there’s something disconcerting to it all. The camera uses a variable refresh rate, so the low-resolution images are choppy and imperfect. The pictures also have the slightly creepy feel of all voyeuristic endeavors.
Hammerand doesn’t feel like a voyeur, however—he wasn’t peeking through windows, simply accessing a unsecure camera mounted in a public place. He is using the tools of the surveillance state. But he concedes the definition of voyeurism may be changing. „As the Internet gives us increasing access into the lives of others, the line between unsuspecting and participatory becomes blurred,“ he says.
The photographer lives in Phoenix and has never visited the town, which he will not identify.

Ausgestellte Arbeiten von Andrew Hammerand:
Andrew Hammerand: The New Town, 2015,
Serie von zwölf ausgewählten Screenshots einer aus dem Internet „ferngesteuerten“ Überwachungskamera, 12 exhibition prints
Courtesy: Andrew Hammerand, Phoenix

Website Andrew Hammerand


Arwed Messmer: Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht
(Ein fotografisch-literarisches Projekt von Arwed Messmer und Annett Gröschner)

Seit mehreren Jahren richtet sich der Fokus der fotografischen Arbeit von Arwed Messmer auf Bilddokumente aus (meist) staatlichen Archiven, die von zeithistorischer Bedeutung sind. Im Unterschied zu Historikern und Journalisten geht es ihm dabei nicht darum, das Bildmaterial als Illustration von Sachverhalten zu benutzen, sondern die Bilder selbst zum Thema zu machen.
Zu einem Glücksfund aus den Archiven behördlicher Gebrauchsfotografie wird ein umfangreiches Konvolut von ca. 4000 Kleinbild-Aufnahmen aus dem Bundesarchiv-Bildbestand der ehemaligen Stadtkommandantur der Hauptstadt der DDR Berlin. Dieses umfasst unzählige Aufnahmen, die von der Ostseite der Berliner Mauer angefertigt wurden; vermutlich im Frühjahr 1966 von Angehörigen der DDR-Grenzregimenter.
Ergänzt von Fotos von 200 Mauer- und Wachtürmen, Registern von Grenzhunden, Portraits von Grenzsoldaten entsteht das Projekt einer gänzlichen Rekonstruktion der Berliner Mauerfront; ein fast 164 kilometerlanges Band aus Beton. Messmer montiert diese zu 700 Panorama-Ansichten und rekonstruiert derart eine Bauwerksdokumentation, wie sie es in Wirklichkeit nie gab.
Begleitet wird die visuelle Rekonstruktion von textlichen Erzählminiaturen und Textmontagen aus Zeitzeugen-Interviews, Verhör- und Aktennotizen, die die Schriftstellerin Annett Gröschner zusammengestellt hat. Mit Messmer verbindet sie das Interesse an Langzeitrecherchen und thematischen Tiefenbohrungen.
Seit August 1961 gab es eine monströse Mauer in Deutschland und unzählige Menschen, die dieses Bollwerk untergraben, umschiffen oder überflügeln wollte. „Kann man Geschichte so in Bildern schreiben, dass sie von sich selbst zeugt und zugleich eine Geschichte lebendig werden lässt, die mehr darstellt als Mitteilung des Gewesenen?“, fragte der Autor Michael Flügge und antwortete: „Man kann“.
Durch die Typologisierung erhält das Archivmaterial eine andere Konsistenz. Losgelöst von ihren jeweiligen Formblättern (aus den Archiven) tauschen die Motive die Funktion als technische Informationen mit ihrer Funktion als losgelöste Motive und Formen und bieten sich einem vergleichenden Sehen an; ein Verfahren das an die fotografische Methodik von Bernd und Hilla Becher erinnert. So lesen sich die Wachtürme vor diesem fotohistorischen Kontext als „anonyme Skulpturen“ eines Überwachungsstaates.
Auch die Dokumente der Fluchtversuche (durch Fluchttunnel oder Leiterkonstruktionen) bezeugen nicht mehr den einzelnen Ausbruch und dessen Gelingen oder Scheitern, sondern lesen sich wie anonymisierte und minimalistische Tatortbilder, die das angebliche Vergehen – Republikflucht – umso absurder erscheinen lassen.
Die Aufnahmesituationen der Fotografien finden in den beiden Fotobänden eine eigene Reflexion; beobachtete Florian Ebner im Textbeitrag zum Buch. Teleobjektivaufnahmen, die den Band einleiten, folgen Abzüge von gerade eingelegten Filmanfängen, bis hin zu den überwachenden Panorama-Aufnahmen. Immer erzählt das fotografische Medium dadurch auch über sich selbst. Das gilt auch für die zahlreichen Portraits der Grenzsoldaten, die zugleich anonymisiert als auch individualisiert erscheinen.
Neben der zweiteiligen umfangreichen Buchpublikation, die aus den Bänden Macht/Power: Texte/ Typologien und Macht/Power: Die Mauer / The Wall besteht, wurden verschiedene spezifische Ausstellungspräsentationen entwickelt. So auch für die Ausstellung Geheime Agenten“ im Jacobi-Haus im Malkasten, Düsseldorf. Mit einer raumbezogenen Präsentation in Vitrinen konzentriert sie sich auf die fotografischen Typologien, darunter die Tunnelgrabungen, Leiterkonstruktionen, Wachtürme, Portraits von Grenzbeamten oder Register von Hundenamen.

For several years now, Arwed Messmer’s photographic work has focused on pictorial documents from (mostly) state archives that are of historical significance. In contrast to historians and journalists, he is not interested in using the photographic material to illustrate facts, but in making the pictures themselves the subject of his work.
A lucky find from the archives of official commercial photography is an extensive collection of about 4000 photographs from the Federal Archives‘ image stock of the former city commandant’s office of the capital of the GDR, Berlin. This includes countless photographs taken from the eastern side of the Berlin Wall, probably in the spring of 1966 by members of the GDR border regiments.
Supplemented by photos of watchtowers, registers of border dogs, portraits of border soldiers, the project of a complete reconstruction of the Berlin Wall front is being created.
Messmer assembled these into 700 panoramic views and reconstructed a documentation of the building in a way that never existed in reality.
The visual reconstruction is accompanied by textual narrative miniatures and text montages from eyewitness interviews, interrogation and file notes compiled by the german writer Annett Gröschner. She shares an interest in long-term research and thematic „digging deeper“ with Messmer.
„Is it possible to write history in pictures in such a way that it bears witness to itself and at the same time brings a history to life that is more than just a communication of what has been there,“ asked author Michael Flügge and replied: „One can“.
Through typologization, the archive material acquires a different consistency. Detached from their respective forms (from the archives), the motifs exchange their function as technical information with their function as detached motifs and forms and offer themselves for comparative viewing; a procedure reminiscent of the photographic methodology of Bernd and Hilla Becher. Thus the watchtowers read themselves in this photo-historical context as „anonymous sculptures“ of a surveillance state.
Even the documents of the escape attempts (through escape tunnels or ladder constructions) no longer bear witness to the individual escape and its success or failure, but read like anonymized and minimalist crime scene images that make the alleged crime – escape from the republic – all the more absurd.
The situations in which the photographs were taken find their own reflection in the two photo volumes; observed Florian Ebner in his text contribution to the book. Tele-objective shots, which introduce the volume, are followed by prints of film beginnings that have just been inserted, right up to the panoramic shots that are used for surveillance. In this way, the photographic medium always also tells about itself. This also applies to the numerous portraits of the border guards, which appear both anonymous and individualized.
In addition to the extensive two-part book publication, which consists of the volumes Macht/Power: Texte/ Typologien and Macht/Power: Die Mauer / The Wall, various specific exhibition presentations were developed. This also applies to the exhibition „Secret Agents“ in the Jacobi-Haus im Malkasten, Düsseldorf. With a spatial presentation in showcases, it focuses on photographic typologies, including tunnel excavations, ladder constructions, watchtowers or portraits of border guards.

Kurzbio Arwed Messmer: geboren 1964, Fotograf und Künstler, lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte von 1987 bis 1992 Visuelle Kommunikation an der FH Dortmund. Nach einer frühen Serie von Panoramaaufnahmen über ostdeutsche Landschaften zu Beginn der 1990er Jahre, setzte sich Messmer in seiner weiteren künstlerischen Arbeit vor allem mit der Topografie der modernen Stadt, insbesondere Berlin, auseinander. Seit 2006 arbeitet er mit gebrauchsfotografischen Bildsammlungen aus staatlichen Archiven, dessen ursprüngliche dokumentarische Funktion erloschen sind. Für seine Projektskizze RAF – No Evidence / Kein Beweis das Stipendium „Zeitgenössische Deutsche Fotografie“, das von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung vergeben wird. Die Ausstellung dazu fand 2017 im Museum Folkwang statt.

Ausgestellte Arbeiten von Arwed Messmer:
Inventarisierung der Macht/
Taking Stock of Power
Wachtürme/Watchtowers
, 1966/2016
© Arwed Messmer
Bildquelle/Image Source:
Bundesarchiv/German Federal Archives
BArch, DVH-58/9062,9063,9064,9065

Inventarisierung der Macht/
Taking Stock of Power
Portraits
, 1966-2016
© Arwed Messmer
Bildquelle/Image Source:
Bundesarchiv/German Federal Archives
BArch, DVH-60-1/19844,19845

Inventarisierung der Macht/
Taking Stock of Power
Tunnel/Tunnels
1963-70/2016
© Arwed Messmer
Bildquelle/Image Source:
BStU, Bundesarchiv/German Federal Archives

Inventarisierung der Macht/
Taking Stock of Power
Leitern/Ladders
1962-82/2016
© Arwed Messmer
Bildquelle/Image Source:
BStU, Bundesarchiv/German Federal Archives

Website Arwed Messmer


Peter Piller: Unbekannte, Projektionsflächen und Tatsächliche Vermutungen

Peter Piller legt Foto-Archive an und sortiert sie nach Gestaltungselementen und inhaltlichen Übereinstimmungen. Sein Archiv Peter Piller gründete sich zunächst auf einer Sammlung von ca. 6000 Zeitungsfotos. 2002 erwarb er 12.000 Aufnahmen aus einem Luftbildarchiv. Erweitert werden die Sammlungen durch historische Postkarten und Internetfunde, aber auch eigene Aufnahmen. Die sorfältig ausgewählten Bilderserien tragen kurze prägnante Titel wie zum Beispiel „Schlafende Häuser“, Schießende Mädchen oder wie hier Diese Unbekannten (Täter). Ein Berg von alltäglichen Kriminalgeschichten, von Alltagswahnsinn und schlicht von Erzählungen von ganz einfachen Menschen tut sich hier hier auf.
Auch die ausgestellte Werkgruppe, Diese Unbekannten (Täter), setzt sich aus in Zeitungen veröffentlichten Bildern zusammen. Es sind Fahndungsfotos, die ihrerseits auf Aufnahmen von Überwachungskameras beruhen. Gesucht werden Scheckkartenbetrüger, die auf frischer Tat erfasst sind. Die schlechte Qualität der Bilder verunklärt allerdings das Bild der Personen, deren präzise Identifikation ja eigentlich ersucht wird. Technisch bleibt das alles nur eine Frage der Zeit. Dennoch lässt sich fragen: Wie definiert sich im Sinne Pillers ein gelungenes Bild? „Gültige Bilder sind für mich oft Bilder, die nicht alles auf den ersten Blick preisgeben. Im Idealfall sind es Bilder, an die man sich nach einer Weile unwillkürlich erinnert.“ (zit. n. Peter Piller, Mit anderen Augen. Das Portrait in der zeitgenössischen Fotografie, Kunsthaus Nürnberg, 2016)
Humor, Bildwitz und kontextuelle Befragungen: Peter Piller geht dabei immer der Frage nach, wie die Wirklichkeit in unterschiedlichen Medien dargestellt bzw. überhaupt erst hergestellt wird. Bilder beleuchten keine Phänomene, sie sind diese selbst.
Wie in vielen seiner Bildersammlungen wirft der Künstler in seiner Serie Projektionsflächen einen spezifischen Ermittlungsblick auf Landschaften. Ähnlich verfährt er mit seinem Video Tatsächliche Vermutungen. Dieses besteht aus 30 gefundenen Bildern, Filmstills aus einer Kriminalserie, die gänzlich neu zusammengeschnitten, je ca. 5 Sekunden, alle in gleichem Rhythmus, gezeigt werden. Auf allen Bildern sind Landschaftsaufnahmen zu sehen, Personen gibt es nicht. Ab wann lassen sich Orte als mögliche Tatorte oder Ereignislandschaften lesen? Ab wann beginnt eine mögliche Narration eines Bildes? Und welche Bedeutung haben dabei die eigenen Suggestionen des Betrachters? Peter Piller wählt hierfür Bilder, die eher banal und zufällig fotografiert aussehen und „das-Verdeckte-aufdecken-Spiel“ eigentlich nicht spielen wollen.
Tatsächliche Vermutung erscheint als ein feines Wortspiel, ein Paradoxon, das zugleich auf die verhängnisvolle Gegenseitigkeit von Fakt und Fiktion zurückführt. Tatsächlich handelt es sich hierbei um einen juristischen Begriff: Eine „tatsächliche Vermutung“ liegt vor, wenn ein Gericht gestützt auf eigene oder Expertenerfahrungen von bewiesenen Tatsachen (Indizien) im Wege der Induktion auf nicht bewiesene Tatsachen schließen kann.

Peter Piller creates photo archives and sorts them according to formal elements and content similarities. His archive Peter Piller was initially based on a collection of about 6000 newspaper photos. In 2002 he acquired 12,000 photographs from an aerial photo archive. The collections are expanded by historical postcards and Internet finds, but also by his own photographs. The carefully selected picture series have short, concise titles such as Sleeping houses, Shooting girls or, as here, These unknowns (suspects). A mountain of everyday crime stories, of everyday madness and simply of stories of very simple people opens up here.
The exhibited group of works, Die Unbekannten (Täter), is also composed of pictures published in newspapers. They are mug shots, which are themselves based on surveillance camera footage. We are looking for credit card fraudsters caught red-handed. However, the poor quality of the pictures obscures the image of the persons whose precise identification is actually sought. Technically, all this remains only a question of time. Nevertheless, the question can be asked: How does Piller define a successful picture in the sense of Piller? „For me, valid pictures are often pictures that don’t reveal everything at first glance. Ideally, they are pictures that you remember involuntarily after a while.“ (quote from Peter Piller, „With different eyes. The Portrait in Contemporary Photography, Kunsthaus Nürnberg, 2016)
Humor, visual joke and contextual questioning: Peter Piller always pursues the question of how reality is represented in different media or how it is produced by them. Images do not illuminate phenomena, they are these themselves.
As in many of his image collections, the artist casts a specific investigative gaze on landscapes in his series Projektionsflächen/Projection Screens. He proceeds in a similar way with his video Tatsächliche Vermutungen/Actual Assumptions. This consists of 30 found images, film stills from a german crime series, which are completely newly edited, each lasting about 5 seconds, all shown in the same rhythm. All pictures show landscapes, there are no persons. At what point can places be read as possible crime scenes or event landscapes? At what point does a possible narration of a picture begin? And what significance do the viewer’s own suggestions have in this? For this, Peter Piller chooses images that look rather banal and randomly photographed and that actually don’t want to play the „hidden-cover-and-uncover game“.

Kurzbio Peter Piller: geb. 1968 in Frtizlar,studierte zunächst Geographie, Germanistik und Kunstpädagogik, anschließend „Freie Kunst“ an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Er lehrte von 2006 bis 2018 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und hat seit Oktober 2018 eine Professur an der Kunstakademie Düsseldorf inne.

Ausgestellte Werke von Peter Piller:

Peter Piller: Diese Unbekannten (Täter) 1 / Suspects 1 (10), 2000-2006, Pigment print, divers formats, Exhibition Prints
Peter Piller: Diese Unbekannten (Täter) 2 / Suspects 2 (10), 2000-2006, Pigment print, divers formats, Exhibition Prints
Peter Piller: 3 Arbeiten aus der Serie Projektionsflächen, 2000-2006
Pigment print, 85 x 97 cm, Exhibition Prints
Peter Piller, Tatsächliche Vermutung, 2012, Film-Stills aus einer Kriminalserie
Courtesy: Peter Piller und Galerie Capitain Petzel, Berlin

Website Peter Piller


Jozéf Robakowski: From my window

Über 20 Jahre lang hat der Künstler von seinem Hochhausfenster den Alltag auf einem zentralen Platz in Lódz dokumentiert. 1978, zu einer Zeit, als die Solidarność-Bewegung noch eisern unterdrückt wurde, entstanden die ersten 16 mm Filmaufnahmen. Erst 1999 beendet er sein Videotagebuch. Kurze Zeit später war ein Hotel für die wachsende Anzahl von Touristen auf dem Platz fertiggestellt worden. Der Ausblick war damit versperrt.
Nicht nur die Bilder, vor allem die lakonischen und bisweilen humorvollen Kommentare deuten die gesehenen Szenen der sozialistischen und postsozialistischen Zeit bisweilen gravierend um. Mit typischen Statements kommentiert Robakowski die kleinen Ereignisse und räsoniert dabei über illegalen Fleischhandel oder die Karriere von Nachbarn. Neuigkeiten wechseln mit Neuerwerbungen ab, ein Auto, ein Hund oder eine erstmals entdeckte junge Frau.
Der Blick aus dem Fenster erhält zahlreiche Konnotationen, so an staatliche Überwachung, illegalem privaten Stalking oder subjektiver Beobachtung. Am Ende ist es der Betrachter, der über einen längeren Zeitraum verschiedene Verhaltensprofile abgleichen kann.
Der Film From My Window von Jozéf Robakowski ist zu einem Klassiker der Film-/Videokunst geworden.

For over 20 years the artist has been documenting everyday life from his high-rise window in a central square in Lódz. In 1978, at a time when the Solidarność movement was still ironically suppressed, the first 16 mm film recordings were made. It was not until 1999 that he finished his video diary. A short time later, a hotel had been completed to accommodate the growing number of tourists on the square. The view was thus obstructed.
Not only the pictures, but especially the laconic and sometimes humorous commentaries sometimes seriously reinterpret the seen scenes of the socialist and post-socialist period. With typical statements, Robakowski comments on the small events, arguing about the illegal meat trade or the careers of neighbors. News alternates with new acquisitions, a car, a dog or a young woman discovered for the first time „on screen“.
The view out of the window has numerous connotations, such as state surveillance, illegal private stalking or subjective observation. In the end, it is the viewer who can compare different behavioral profiles over a longer period of time. The film „From My Window“ by Joszef Robakowski has become a classic of film/video art.

Kurzbio Jozéf Robakowski: geboren 1939 in Poznań, Polen, lebt und arbeitet in Łódź, Polen. Robakowski ist eine Schlüsselfigur der osteuropäischen Film- und Videokunst und einer der Begründer der polnischen Avantgarde. Sein Werk zählt heute zu den Klassikern des strukturellen und analytischen Kinos. Er kann zu den Erben der polnischen Avantgarde-Künstler des 20. Jahrhunderts gezählt werden, wie z.B. Władisław Strzemiński, Kataryzna Kobro und Stanisław Ignacy Witkiewicz (Witkacy) und ist zugleich selbst Vorbild für eine neue Generation junger Künstler. Im Jahr 1962 schuf er seinen ersten Experimentalfilm „6.000.000“ unter Verwendung von Found Footage. Seine Werke der 1960er und 1970er Jahre (wie der Nicht-Kamera-Film „Test II“, 1971) verwarfen die narrative und repräsentative Funktion des Films. Bemerkenswert für Robakowski ist sein neo-avantgardistischer und neo-dadaistischer Ansatz; seine Werke analysieren die Sprache der Medien und schöpfen aus der Tradition des Konstruktivismus, indem sie die absurde kommunistische Realität im Polen der 1970er und 1980er Jahre beleuchten und mit einem Sinn für Humor festhalten („From My Window“, 1978-1999). Zugleich sind sie zutiefst politisch („Breschnews Beerdigung“, 1982) und sehr privat („Die Berührung von Józef“, 1989; „Von Fingern“, 1982). Robakowski ist Mitbegründer der Filmformwerkstätten (1970-1977), Theoretiker und akademischer Dozent an der Filmschule Łódź. Von Anfang an war einer der wichtigsten Themen in seinem Werk das Licht. Er hat in einigen der wichtigsten Museen der Welt ausgestellt, z.B. in der Tate Modern, im Stedelijk Museum in Amsterdam und im Centre Georges Pompidou in Paris.

Józef Robakowski, born 1939 in Poznań, Poland, Lives and works in Łódź, Poland. Robakowski is a key figure in Eastern European video art and one of the originators of the Polish avant-garde. His work nowadays is placed among the classics of structural and analytic cinema and he can be numbered among the heirs to the avant-garde artists of the 20th century, such as Władisław Strzemiński, Kataryzna Kobro and Stanisław Ignacy Witkiewicz (Witkacy) and is presently himself a point of departure for a new generation of young artists. In 1962, he created his first experimental film 6,000,000 by using found footage. His works of the 1960s and 1970s (such as the non-camera film Test II, 1971) discarded narrative and film’s representational function. Remarkable for Robakowski is his neo-avant-garde and neo-Dadaist approach; his works analyze the language of media and draw from the tradition of Constructivism, recording the absurd communist reality in 1970s and 1980s Poland with a light touch and a sense of humor (From My Window, 1978-1999). At the same time, they are profoundly political (Brezhnev’s Funeral, 1982) and very private (The Touch of Józef, 1989; Of Fingers, 1982). Robakowski is co-founder of the Film Form Workshops (1970-1977), theorist and academic lecturer at the Łódź Film School. Since the beginning, one of the most important strands in his work has been light. He has exhibited in some of the world’s most important museums, such as Tate Modern, Stedelijk Museum in Amsterdam and the Centre Georges Pompidou in Paris.

Ausgestellte Werke von Jozéf Robakowski:

From My Window, 1978 – 1999, Video, 19:09 min, s/w, sound
Copyright and Courtesy: Józef Robakowski
(Special Thanks for the bio and the support from Zak / Branicka, Berlin)

Jozéf Robakowski Wikipedia